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C-Rise oder das Fehlen der Babypupse!

Ein kurzer Rückblick auf sechs Wochen Corona-Zeit.

Die eigenen vier Wände verlassen wir nur noch zum Einkaufen und Spazierengehen, Freunde und Familie sehen wir meist virtuell, Besuche von Kino, Konzerten oder Kirche – alles scheint Lichtjahre entfernt. Die Verlockung ist groß, nur noch in Jogginghose auf der Couch zu sitzen. Hinzu kommt die Ungewissheit, wie es weiter geht und die Sorge um die eigene Gesundheit sowie von Familie und Freunden. Dieses ganze Szenario gleicht einem Marathon, bei dem uns nicht nur die Laufstrecke unbekannt ist, für den wir weder Trainings absolviert noch eine Laufstrategie haben – von dem wir aber ahnen, dass wir erst ein, zwei Kilometer der gesamten Strecke hinter uns haben.

Unser Alltag, mein Alltag hat sich durch die Corona-Krise merklich verändert. Ich muss mich immer wieder kneifen, um zu realisieren, dass wir schon sechs (!) Wochen mit dieser sogenannten „neuen Normalität“ leben. Das, womit ich – neben Bewegungsschmerzen, -störungen und -blockaden – momentan in meiner Praxis am häufigsten konfrontiert bin, sind die überschäumenden Gefühle meiner Patienten, die mir natürlich auch nicht fremd sind: Verunsicherung! Ängste! Ohnmacht! Panik! Und Wut über die Verluste von sozialen Kontakten, von Sicherheit, von Vertrauen. Bei den Gesprächen mit meinen Patienten kann ich nur zuhören und aufklären. Versuchen, Mut und Hoffnung zu geben. Und dabei unterstützen, Informationen richtig zu verstehen, sowie bei dem ein oder anderen Patienten das nachvollziehbare Chaos im Kopf und die Blockaden im Körper zu lösen.

In der Krise steckt mehr drin.

Alle reden darüber, dass Corona Krise bedeutet. Ich denke über den Begriff Krise nach. Vielleicht, so denke ich weiter, wenn ich „Krise“ anders schreibe, dann kann ich es auch anders verstehen: C-Rise! Also C für Corona und Rise für englisch aufstehen oder aufsteigen. Dann hat, so geht mein Gedankenexperiment weiter, C-Rise vielmehr mit Sich-Öffnen zu tun als mit Abschließen, mit Erweiterung statt mit Verengung, mit Aufbrechen statt Zusammenbrechen, mit Bewegung statt Stillstand, mit eben Aufstehen statt Sitzenbleiben. Auf diese Weise können wir alle eine andere Haltung annehmen. Und damit etwas verändern.

Letzte Woche ist mir aufgefallen, dass das, was ich am meisten in dieser Zeit in der Praxis vermisse, die Babypupse sind (das mag sich für Sie jetzt recht eigenartig anhören). Doch wenn die Kleinsten und Kleinen durch die Justierung entspannen und sich dann ein oder gleich mehrere so klangvolle und das Wohlbefinden fördernde Pupse lösen (das passiert übrigens bei jedem Baby), dann weiß ich, dass nicht nur die Welt der Babys, sondern auch meine völlig in Ordnung ist. Das ist mir gerade auch in dieser Zeit so wichtig, die gesunde Entwicklung der Kinder im Auge zu behalten, bevor sich eines ihrer Entwicklungsfenster schließt, es möglicherweise zu Einschränkungen im Bewegungsapparat kommt und es deutlich schwieriger zu justieren ist.

Zurück zu uns: Wie bringen wir nun Körper, Geist und Seele von uns Erwachsenen wieder ins Lot? Ganz wichtig ist mir: Jeden Einzelnen von Ihnen möchte ich gerne dabei unterstützen, sein Immunsystem zu stärken, seine Konzentration zu fördern und seine Beweglichkeit wieder zu erlangen. Denn körperlich aktiv zu sein, bedeutet handlungsfähig zu bleiben. So fühlt man sich der Corona-Krise, oder wie ich sie nenne, der C-Rise, nicht so sehr ausgeliefert. Indem das persönliche Verhalten geändert und ein neuer Umgang mit der Krise entwickelt wird, findet eine Annahme der jetzigen Situation statt – die Angst wird weniger. In diesem Zusammenhang gibt es übrigens sehr schöne Atem- und Dehnübungen (z.B. aus dem Qi Gong), die ich Ihnen gerne zeige und die jeder von Ihnen auch prima zu Hause praktizieren kann.

Schritt für Schritt in die Bewegung kommen.

Worauf ich hinauswill: Der eigene Körper ist aus meiner Sicht durchaus der Schlüssel zum seelischen Glück. Seine Bewegungen tragen wesentlich dazu bei. Was darüber hinaus auch noch unterstützend wirkt (und bitte lachen Sie mich nun nicht aus): Lächeln Sie den Menschen, denen Sie begegnen, – auch aus der Distanz – zu. Lächeln aktiviert Hirnareale, die für Ihr Wohlbefinden sorgen, und vermittelt dabei ein Gefühl von Solidarität. Sprechen Sie darüber hinaus mit Freunden und Familie über Ihre Sorgen, dieser Austausch ist immens wichtig. Begrenzen Sie diese Zeit aber ganz bewusst, um sich dann abzulenken, zum Beispiel mit einer guten Lektüre, gemeinsamen Spielen oder mit einem bewegenden Film …

Apropos: Da fällt mir sofort der Film „Forrest Gump“ ein. Erinnern Sie sich vielleicht noch? Das ist der recht schleppfüßige Held des vielfach ausgezeichneten Kinofilms aus dem Jahr 1994. Forrest ist ein einfach gestrickter Typ mit einem sehr bemerkenswerten Charakter. Durch ihn erfahren wir, dass ohne Bewegung gar nichts läuft. Dazu muss man allerdings nicht, wie der Titelheld, über einen geringen IQ verfügen. Man darf sich nur nicht mit dem, was ist, abfinden und stehen bleiben.

Im Film hat Forrest Gump bereits als kleines Kind ein veritables Wirbelsäulenleiden, dessen Folge eine Gehbehinderung ist, wegen der ihn andere Kinder immer hänseln. Forrest wehrt sich auf seine Art, indem er zu laufen beginnt, zuerst kräftig humpelnd, dann immer flüssiger, immer schneller, bis er – kurioser- und passenderweise während eines Ultra-Marathons – die Beinschienen ablegen und sein Handicap schließlich überwinden kann. Die Magie dieses Filmes liegt in dem expliziten Drang seiner Titelfigur, vorwärtszukommen. Forrest ignoriert die Probleme nicht, er lässt sie hinter sich und akzeptiert, was er nicht ändern kann. Er bringt dort, wo alles krisenhaft und ausweglos ineinander verhakt zu sein scheint, neue Bewegung hinein – eine wundersame Dynamik mit der absoluten Gewissheit:

  1. Veränderung beginnt im Kopf
  2. Gewohnheiten kann man durchbrechen
  3. Schließlich gewinnt man eine neue Haltung

Für unseren recht ungewöhnlichen Marathon (ohne Laufplan, ohne Zuschauer und ohne Bestzeit) gilt: zusammen durch- und ankommen. Mit Bewegung, Mut, Solidarität, einem Lächeln und einer gehörigen Portion guter Laune.

Passen Sie gut auf sich auf und kommen Sie immer gerne vorbei! Ich freue mich auf Sie!

Herzlichst
Ihre Marei Schachschneider