Marei Schachschneider - Schwerpunkt Amerikanische Chiropraktik für Kinder

Zur Kinderchiropraktik führte mich 2016 meine zweite Schwangerschaft. Chiropraktik hatte für mich persönlich viel bewegt und meine professionelle Neugier beflügelt. Da stellte sich mir natürlich auch die Frage, ob es nicht machbar wäre, Problemstellungen frühstmöglich zu verhindern, also etwa bei Säuglingen und Kleinkindern? Und: Gibt es chiropraktische Wirkfelder während der Schwangerschaft? Also besuchte ich Seminare der amerikanischen Expertin für Kinder- und Familienchiropraktik Laura Hanson (DC) und beschäftigte mich intensiv mit Kindesentwicklung, Entwicklungsneurologie und -meilensteinen unter anderem über Reflexe.

Wir haben einen sehr guten Kinderarzt, der den Entwicklungsstand aus seiner Sicht beurteilte: Was kann das Kind? Ist es im richtigen Alter dafür? Laura Hanson prüfte zusätzlich noch, was das Kind für ein Umfeld hat, in der Vergangenheit an Verhalten zeigte hat und wie der Entwicklungsstand präzise einzustufen ist. Da wurde mir klar: Für meine Praxis muss ich lernen, sehr genau zu analysieren und zu beobachten.

Darüber konnte ich dann feststellen, dass ich in vielen Bereichen bei meinem ersten Kind Haken machen konnte. Prima, alles im Norm-Bereich. Aber es gab etwas, das fehlte. Mein Sohn hat sich zum Beispiel nicht gedreht, rollte nicht auf dem Boden. In der Standardliteratur habe ich nichts dazu gefunden, Laura hatte eine ganze Reihe von Ideen. Ihr Blick auf die Entwicklung eines Kindes ist sehr umfassend, berücksichtigt mit die Lebensumstände der Familie inklusive Stressfaktoren oder Ernährung etc. – von der Zeugung und Schwangerschaft über die konkrete Geburtssituation bis hin zum Aufwachsen.

Ich muss also in meiner Praxis den Eltern und Kindern erstmal zuhören: Wie lebt dieses Kind, wie wird es ernährt? Welche Stimulation erfährt es, hat es genügend frische Luft, bewegt es sich genug? Neben den Lebensumständen schaue ich mir dann das ganze Kind an, und gern auch beide Elternteile. Denn Eltern übertragen viel. Darüber hinaus nutze ich verschiedene Testverfahren und achte auf Anhaltspunkte: Haltungsstörungen, Tonusstörungen, Gangstörungen oder Grobmotorik zum Beispiel: Wie kommt ein Kind in mein Untersuchungszimmer rein? Ist es hektisch, ist es kraftlos, ist es steif? Wie groß ist die Spurbreite? Zu schmal, zu breit? Rollt das Kind mit den Füßen ab? Läuft es auf den Zehenspitzen? Läuft es auf den Innenseiten der Füße? Das sind schon so viele Möglichkeiten! Dann schaue ich mir dir die Haltung an und gucke, ob das Kind beide Arme ausgestreckt vom Körper halten kann – mit geöffneten und geschlossenen Augen? Kann es den Finger zur Nase führen oder meinem Finger folgen?

Auch die Entwicklung und anschließende Integration von Reflexen lässt sich überprüfen und ist hoch aufschlussreich. Ein Neugeborenes hat mehr Reflexe, als ein Erwachsener braucht. Da ist beispielsweise der Moro-Reflex, also der Schreck-Reflex, meistens bei Geräuschen oder auch Gerüchen. Darauf folgt eine typische Arme-öffnen-schließen-Bewegung, die ungefähr im Alter von vier Monaten verschwinden sollte. Dazu gehört auch der in der Neurologie wichtige, sogenannte Babinski-Reflex. Der zeigt sich als eine Reaktion beim Streichen über die Fußsohle, indem sich der große Zeh krümmt. Wenn das bei Erwachsenen wieder auftritt, kann ich davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt. Den Reflex darf ein Baby haben, aber kein Erwachsener. Und so gibt es eine Reihe von Reflexen und motorischen Fähigkeiten, die auf ungestörte oder verzögerte Entwicklungen hinweisen.

Für Kinder gilt dann nach meinem Dafürhalten, dass wir nicht abwarten sollten, ob sich eine Auffälligkeit verwächst. Unter Umständen schließt sich ein Zeitfenster, in dem wir noch unkompliziert Abhilfe schaffen können, was später viel aufwendiger oder auch gar nicht nachgeholt werden kann. In den Fachbereichen der Entwicklungsneurologie oder auch Neuropädiatrie wird daran immer noch sehr viel geforscht.

Eine neurologische Untersuchung macht daher früh Sinn, auch wenn sie eher lang und komplex ist. Sie kann nie kurz und einfach sein. Auch ich wollte einen schnellen Screening-Test und schnelle Antworten: Okay, mein Sohn hat sich nicht gerollt, das ist ein Problem und was tun wir? Doch diese einfache Antwort gibt es nicht. Als Ärztin und Chiropraktikerin muss ich immer den Zusammenhang betrachten, nie isoliert nur eine Störung. Wichtig ist da umfassende Sorgfalt: Wurde ein Ultraschall der Hüfte gemacht? Haben Fachleute das Hören und das Sehen abgeklärt? Eine Entwicklungsverzögerung kann auch damit zu tun haben, dass ein Kind nicht richtig hört oder sieht.

Wenn Eltern zu mir kommen, untersuche ich dann von der Auffälligkeit ausgehend das ganze Kind von A bis Z auf neurologische Funktionseinschränkungen und suche die Subluxation beim Kind. Wo haben die Wirbelsäule und der Bewegungsapparat eine Funktionsstörung und wie kann ich die beheben? Ich gehe immer davon aus, dass an einer solchen Stelle der Informationsfluss zum Gehirn gestört wird und dass es anstelle von Signalen und Information, zum Beispiel über die Positionen im Raum oder Ursachen für einen Erregungszustand, einfach nur mit einer Art Rauschen versorgt wird. Und wenn das über einen längeren Zeitraum besteht, dann wird auch die motorische Antwort des Kindes verwaschen. Daher strebe ich danach, durch Justierungen die Subluxation aufzulösen.

Bei Säuglingen habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenige Behandlungen ausreichend sind, um aus einer symptomatischen Behandlung zur reinen Prävention zu wechseln – besonders wenn ich die Mutter und gern auch den Vater direkt mitbehandle. Bei Schulkindern ist das dann eher wie bei Erwachsenen: Die Komplexität der Funktionsstörung und wie lange sie besteht, steuern die Dauer der chiropraktischen Behandlung. Unbehandelte Störungen in der Entwicklung – auch von Reflexen – werden medizinisch inzwischen mit einer Vielzahl von Auffälligkeiten und Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Ich bin daher überzeugt, dass eine chiropraktische Begleitung vom Kinderwunsch über die Schwangerschaft bis hin zum Aufwachsen des geborenen Kindes nicht nur meinen Kindern guttut. Fragen Sie mich gern dazu bei meinem Impuls-Workshop oder am nächsten Kids-Day.

Sie wollen mehr dazu wissen? Hier noch ein paar interessante Links zum Thema:
https://www.chiropraktik-campus.de/jedem-anfang-wohnt-ein-zauber-inne/
https://dgne.de/informationen/fruehkindliche-reaktionen-tlr-moro-atnr-stnr/
https://www.aerzteblatt.de/archiv/34754/Obstruktives-Schlafapnoesyndrom-im-Kindesalter
https://www.canadianchiropractor.ca/five-myths-about-care-for-children-4125/